Drang zum Edlen
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Der Drang zum Edlen Tief im Herzen des Menschen lebt ein Drang. Eine Sehnsucht, überschattet von der Hast der Welt, ein stilles Leuchten in der Dunkelheit. Wie und warum dieser Drang in unser Herz eingedrungen ist, weiss niemand. Und wer es vielleicht wüsste, schweigt lieber. Würde er doch ausgelacht werden, von all jenen, die sich für klug halten. So rede ich über diesen Drang auch nur mit vorsichtigen Worten und nehme in Kauf, daß sich manch einer über diese Zeilen lustig machen werden wird: Wir reden über den Drang zum Edlen. Aber kann man darüber überhaupt sprechen mit den Worten unserer Tage? Worte, die beschmutzt wurden von den niedrigen Gelüsten der gewöhnlichen Menschen; kann man sie trotzdem benutzen, um etwas Erhabenes auszudrücken? Es ist, als ob ein Maler ein Aquarell schaffen wollte, aber Schlamm wäre über seine Palette gespritzt worden. So sehr er sich auch bemüht, sein Kunstwerk kann nicht ohne Makel sein, solange seine Farben verschmutzt sind. Nun denn, das Edle im Menschen, einmal gefunden, muß wie ein Pflänzlein gepflegt werden. Mit Geduld und stetem Streben lässt man es wachsen. Ab und zu wird der junge Trieb von den rohen Kräften im Leben niedergetrampelt und man muß ihn wieder aufrichten und hochziehen. Doch die grösste Gefahr ist, daß es vertrocknet und daß es stirbt, wenn der Drang zum Edlen, ihre Nahrung, versiegt. Dies geschieht oft ohne daß man es sofort bemerkt. Auf schleichende Weise nisten sich die gezielten Falschinformationen unserer Zeit in unseren Gedanken ein und sind nur schwer wieder auszurotten, wenn sie sich einmal breit gemacht haben sollten, So bildet sich der moderne Mensch ein, daß ja im Grunde eigentlich alles in Ordnung wäre in unserer heutigen Gesellschaft. Johann Wolfgang von Goethe schrieb einmal "Niemand ist mehr Sklave als der, der sich für frei hält, ohne es zu seyn." ("Die Wahlverwandtschaften", 1817). Jedoch mehr als in jeder anderen Zeit bevor in der Geschichte der Menschheit, kommt diese grundlegende Einsicht so zum Tragen wie in unseren Tagen. Die menschenverachtende Konsum- und Profitgier des Gesellschaftssystems erfand nicht nur die Kriege, sondern auch die Sklaverei der Gedanken und Gefühle der Menschen, von den wirtschaftlichen Zwängen ganz zu schweigen. Während man zur Zeit Goethe's vielleicht noch singen konnte "Die Gedanken sind frei", kann der aufgeklärte, denkende Mensch keine Freude mehr finden, diese Weise zu summen, sind doch die Worte ihrer Weisheit längst zu hässlichen Lügen verdreht worden. So wird der "Drang zum Edlen" in unserer Zeit verhöhnt und verspottet von den verdrehten und manipulierten Geistern fast aller sozialen Schichten. Heute braucht man richtigen MUT, um das Edle zu suchen und sich nicht von dem Schmutz der Massenmedien verwirren zu lassen. Und damit wächst der "Drang zum Edlen" zur Bildung von "Wille" als diejenige Kraft, die wahrhaft den Menschen vom Tiere unterscheidet: Der "Wille" als Mittel des Menschen seine Vollendung zu finden. Warum die Herrschenden der letzten Jahrhunderte so verzweifelt gegen die Freiheit der Gedanken und gegen das wahrhaft Edle im Menschen angekämpft haben, darüber kann ich nur spekulieren; eine Antwort darauf habe ich noch nicht. Gräbt sich der machthungrige Mensch doch sein eigenes Grab als "Wesen an sich" wenn er seine Mitmenschen absichtlich zum Falschen verführt! Ist doch der mächtigste Mensch der Welt ohne die Kultur des gesamten Volkes allein und ohne Zweck, nur um am Ende auch als Wesen zu verfallen. So finden wir Trost und können uns Mut machen, wenn wir die Wenigen sehen, die doch noch nach dem Edlen streben. Wenn wir uns nun bei allen persönlichen Verschieden- und Besonderheiten auch noch vereinigen könnten in diesem "Drang zum Edlen", dann stünden die Tore offen für eine Zukunft, in der unsere Kinder ohne Scham und Lüge wieder singen könnten "Die Gedanken frei" - und es wäre auch so! Gemeinsam zum Edlen streben, zusammen die Zukunft weben, das war der Traum unserer Ahnen! Auf dass die Menschen Freiheit finden Freiheit in Glück und in Frieden das Edle verwirklicht, das Endziel der Schöpfung!
IHS im Jänner des Jahres 2011
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